Wer hält hier eigentlich auf?

Florian Kratochwil • 21. Juli 2026

Busbuchten und Fahrbahnhaltestellen im Vergleich


Bei der Planung von Bushaltestellen stellt sich häufig die Frage: Soll der Bus in einer Busbucht halten oder direkt auf der Fahrbahn? Lange Zeit wurde diese Frage meist zugunsten der Busbucht entschieden, um dem Kfz-Verkehr ein Vorbeifahren am haltenden Bus zu ermöglichen. Heute werden jedoch viele Haltestellen als Fahrbahnhaltestellen geplant oder bestehende Busbuchten entsprechend umgebaut.


Der Grund dafür liegt in den zahlreichen Vorteilen für Fahrgäste, Busbetrieb und Straßenraum. Die Standfläche der Busbucht kann als zusätzliche Wartefläche genutzt werden, während die nicht mehr benötigten Ein- und Ausfahrtskeile Raum für Begrünung oder Entsiegelung schaffen. Die geradlinige Anfahrt ermöglicht zudem einen geringeren Abstand zwischen Bus und Gehsteig und damit ein komfortableres Ein- und Aussteigen.



Auch betrieblich bieten Fahrbahnhaltestellen Vorteile. Der Bus muss sich nach dem Halt nicht wieder in den Verkehr einordnen und kann seine Fahrt ohne Konflikte mit vorbeifahrenden Fahrzeugen fortsetzen. Dadurch werden Fahrzeiten verkürzt und der Betrieb zuverlässiger.

Besonders interessant ist die Frage, ob das Vorbeifahren von Autos am haltenden Bus tatsächlich einen Zeitgewinn bringt. Auf den ersten Blick scheint dies selbstverständlich. Betrachtet man jedoch die gesamte Reisezeit aller Verkehrsteilnehmenden, ergibt sich oft ein anderes Bild.


Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Bus mit 20 Fahrgästen hält 20 Sekunden an einer Haltestelle. In dieser Zeit würden etwa sechs Autos am Bus vorbeifahren. Bei einem durchschnittlichen Besetzungsgrad von 1,2 Personen pro Pkw entspricht dies 144 Personen-Sekunden Wartezeit, die durch die Fahrbahnhaltestelle entstehen.


Befindet sich an derselben Stelle eine Busbucht und verliert der Bus dadurch nach dem Halt lediglich zehn Sekunden – etwa weil er langsamer in die Haltestelle einfahren kann und er sich hinter den inzwischen vorausfahrenden Fahrzeugen wieder in den Verkehr einordnen muss –, entstehen allein für die Fahrgäste im Bus bereits 200 Personen-Sekunden Zeitverlust. Obwohl solche Berechnungen stark von den jeweiligen Randbedingungen abhängen, zeigen sie einen wichtigen Grundsatz: Die Zeitersparnis für wenige Autofahrende ist oft geringer als der Zeitverlust für viele Fahrgäste im Bus.


Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Busbuchten erforderlich sind. Dies gilt insbesondere bei längeren Aufenthaltszeiten, etwa an Endhaltestellen oder wenn regelmäßig Anschlüsse abgewartet werden. Auch unmittelbar nach Kreuzungen mit Lichtsignalanlagen sind Fahrbahnhaltestellen in der Regel nicht möglich.


Fahrbahnhaltestellen verbessern die Bedingungen für Fahrgäste, erleichtern den Busbetrieb und schaffen zusätzlichen Raum für Begrünung und Aufenthalt. Busbuchten haben weiterhin ihre Berechtigung – in den meisten Situationen spricht jedoch mehr für die Fahrbahnhaltestelle.


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